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Ethos

Was dieses Netz ist und wie es sich verhält. Diese Werte gelten für Technik genauso wie für den Umgang miteinander.

1. Gemeingut statt Markt

Die Infrastruktur (Glasfaser, Router, Uplinks) gehört den Teilnehmenden gemeinsam und wird geteilt, nicht verkauft. Bandbreite ist ein Commons: Niemand erwirbt mehr Rechte, indem er mehr bezahlt oder mehr Hardware hat. Anders als z. B. Althea (Mikrozahlungen pro weitergeleitetem Paket) wollen wir bewusst keine Bezahlung im Kern — der Fairness-Scheduler (siehe Architektur) ist unsere Währung.

2. Fairness als Algorithmus, nicht als Gnade

Jeder Haushalt bekommt standardmäßig einen gleichberechtigten, fairen Anteil (max-min Fairness). Stärkere Anschlüsse teilen freiwillig — genau das ist der Kern: voneinander abhängig, freiwillig, ohne Zwang und ohne Markt.

Leechen ist erlaubt. Wer nichts beiträgt (kein Exit, kein Cache, keine Faser), darf trotzdem empfangen — Nachbarschaftskultur ist Nachsicht, nicht Gegenleistungszwang. Der Scheduler behandelt "Leeched" als niedrigste Priorität bei Knappheit, aber nie als Strafe. Es gibt keine Bezahlung und keine Pflicht zum Mitmachen; Erinnerung an Fairness ist Sache des Viertels, nicht der Software.

3. Freiwilligkeit und Do-ocracy

Teilnahme ist freiwillig, Austritt jederzeit möglich. Entscheidungen trifft, wer Arbeit leistet (Do-ocracy), abgestimmt im offenen Gespräch. Niemand kann gezwungen werden, als Exit für andere zu dienen — Exit-Bereitschaft ist eine explizite, jederzeit widerrufliche Zustimmung pro Haushalt.

4. Privacy als Grundrecht, Anonymität als Nirgendwo-Garantie

  • Der eigene Traffic läuft so weit wie möglich nicht über die eigene Leitung: Verteilung über viele Hausanschlüsse macht Zuordnung für ISPs und Dritte deutlich schwerer. Das ist ein echter Sicherheitsgewinn für alle.
  • Aber wir versprechen keine Anonymität: Freenet selbst sagt klar, dass es keine Anonymität wie Tor/I2P bietet. Metadaten, TLS-Verkehr und Exit- Knoten bleiben sichtbar. Wer echte Anonymität braucht, legt zusätzlich Tor/I2P über das Netz.
  • Nodes loggen minimal. Keine Nutzungsprofile, keine Werbepreise.

5. Legaler Betrieb als Überlebensbedingung

Ein Netz, dessen öffentliches Gesicht "Piraterie" ist, wird abgemahnt, zerlegt und diskreditiert — und zieht Risiko auf die schwächsten Teilnehmer (siehe Recht). Deshalb:

  • Das Netz wird als Infrastrukturprojekt betrieben (Zugang, Resilienz, Gemeingut), nicht als Tauschbörsen-Produkt.
  • Jede:r bleibt für das eigene Tun verantwortlich; das Netz dokumentiert, dass viele Menschen Zugang haben (schützt den Anschlussinhaber).
  • Die Software transportiert Dateien/Webseiten aller Art und übernimmt dafür keinerlei Verantwortung — was übertragen wird, liegt in der Verantwortung der Nutzer:innen (Haftungsausschluss, siehe Server-README).

6. Transparenz und offene Technik

Alles ist offen: Code (Lizentscheidung, siehe Lizenz), Doku, Pläne, auch die Fehler. Hardware besteht möglichst aus Standardkomponenten (Mini-PC, SFP-Medienwandler, Standard-Glasfaser), die alle reparieren und beschaffen können.

7. Resilienz und Selbsthilfe

Das Netz soll funktionieren, wenn das Internet gerade nicht funktioniert: lokale Dienste, lokale Caches, lokale Kommunikation (siehe NYC Mesh). Jede:r im Haus kann Teilnahme, Installation und Betrieb lernen — Wissen wird geteilt wie Bandbreite.

Die "Pico Peering" Hausregel

Basierend auf dem Pico Peering Agreement halten wir fest: Wer mitmacht, teilt. Wer teilt, wird geteilt. Konkret:

  1. Ich verbinde mein Haus mit dem Netz und lasse Traffic durch (oder leech ausdrücklich, siehe §2).
  2. Ich benutze das Netz fair (Fair-Share).
  3. Ich verantwort mein eigenes Handeln — nicht das Netz, nicht die Nachbarn, nicht die Software.
  4. Konflikte werden im Viertel geklärt, nicht beim Anwalt.