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Overlay: Yggdrasil

Wie die Häuser untereinander erreichbar werden, bevor irgendwas gepoolt wird. Stand: konzeptionell entschieden (erste Wahl), sn-node-Anbindung begonnen (siehe Server-README).

Warum Yggdrasil?

Yggdrasil ist ein self-contained Userspace-Router: Jeder Node bekommt eine stabilen IPv6-Adresse im 200::/7-Raum, Nodes verbinden sich zu einem end-to-end-verschlüsselten Overlay (Routing über einen Spanning-Tree), egal ob Glasfaser, LAN, WLAN oder Internet dazwischen liegt.

Pro:

  • Out-of-the-box verschlüsselt — Peering-Verbindungen sind kryptographisch gesichert, ohne extra WireGuard-Stapel
  • Null Konfiguration fürs Peering: auf demselben LAN (also über die Nachbarschafts-Faser oder den Keller-Switch) finden sich Nodes per Multicast automatisch
  • Link-agnostisch wie SpiderNet selbst: tcp://, tls://, quic:// Listener und Peer-URIs, Funk/LAN/Faser egal
  • Feste Adresse pro Keypair — die Node-Adresse bleibt, solange der Schlüssel bleibt (wichtig für Exit-Zuteilung und Nachbarschafts-ACL)
  • AllowedPublicKeys: nur gelistete Nachbarn dürfen peeren — das Nachbarschafts-Vertrauen wird direkt vom Overlay erzwungen
  • Single Rust/CPU-Binary, läuft auf Mini-PCs und Einplatinen

Contra (ehrlich benannt):

  • Experimenteller als Babel; Performance-Obergrenze liegt deutlich unter der, die dichte Glasfaser theoretisch bieten könnte — für Phase 1 (2–3 Haushalte) völlig ausreichend, Messwerte dokumentieren
  • Wenn das Overlay zum Flaschenhals wird: Babel + WireGuard als Ausweich-Kandidat (siehe Architektur, Schicht 1)

Rollen im SpiderNet-Node

flowchart LR
    subgraph Haushalt
        DEVICES[Geraete] -->|own uplink| ROUTER[Router/ISP]
        NODE[sn-node] --- YG[yggdrasil daemon]
        YG <-->|mesh links| NACHBAR[yggdrasil der Nachbarn]
        NODE -->|getSelf / getPeers| YG
        NODE -->|sn-exit: HTTP proxy| YG
    end
    NACHBAR -->| Exit requests| ORIGIN((Origin))
  1. yggdrasil-Daemon (Prozess/Sidecar, nicht von uns implementiert): bildet das Overlay, jede Faser wird zur Overlay-Verbindung.
  2. sn-node (unser Daemon): generiert die yggdrasil.conf aus validierten Einstellungen, fragt den Admin-Socket ab (Node-Adresse, Peers), orchestriert Exit und Fetch.
  3. sn-exit (geplant): HTTP-Proxy, der auf der Yggdrasil-Adresse des Haushalts lauscht — Nachbarn senden ihre Segment-Requests dorthin, der Haushalt holt sie über seinen Uplink.
  4. sn-fetch: kennt pro Exit einen Egress (Direct = eigener Uplink, Proxy = HTTP-Proxy eines Nachbarn) und plant Segmente darauf.

Admin-Socket (technische Fakten)

Quelle: Admin-API-Doku

  • Default localhost:9001 (TCP), alternativ Unix-Socket (AdminListen in der Konfig)
  • Protokoll: JSON-Stanza + \n; Anfrage {"request": "getself"}; Antwort enthält immer "status" ("success"/"error"), optional "response" und "error"
  • getSelf → eigene Adresse, routed /64-Subnetz (300:…::/64), Public Key, Build-Version
  • getPeers → aktive Peer-Sessions inkl. Peering-URI
  • sn-node status kapselt genau das (siehe unten)

Deployment: zwei Häuser verkabeln

Schritt-für-Schritt für Phase 1 (Prototyp-Scope, keine Garantie, siehe Recht):

  1. Hardware: je Haus ein Mini-PC mit zwei NICs (eine zum Heim-Router, eine zur Nachbarschafts-Faser bzw. zum Switch im Keller) — oder übergangsweise eine NIC am Mesh-Switch.
  2. Yggdrasil installieren (Debian-Paket oder Binary).
  3. Config generieren: sn-node genconf --peer "tcp://[<Nachbar-Adresse>]:1337" --listen "tcp://[::]:1337" --allow-key <Nachbar-Public-Key> --out /etc/yggdrasil.conf
    • im selben LAN reicht Multicast-Auto-Peering ohne --peer
    • --no-multicast, wenn Peering nur über die explizite Liste laufen soll (z. B. gemischte Nachbarschaft)
    • die allowed_public_keys-ACL: nur die gelisteten Nachbarn können peeren — für ein Viertel die persönliche Freischaltung
  4. Start: yggdrasil -useconffile /etc/yggdrasil.conf
  5. Status: sn-node status → eigene Overlay-Adresse, Subnetz, Version, verbundene Nachbarn
  6. Test: von Haus A ping <Adresse von Haus B> (IPv6 im Overlay).
  7. Exit anbieten (geplanter sn-exit): HTTP-Proxy auf der Overlay-Adresse binden; beim Nachbarn dann sn-fetch <url> -e "1=1,2=1@http://<Nachbar-Adresse>:8080".

Die Config-Datei enthält den privaten Schlüssel des Nodes: chmod 600 (macht sn-node genconf selbst), niemals committen, nie teilen. Private Adressen realer Nachbarn gehören nicht ins Repo (Regeln in AGENTS.md).

Grenzen & Sicherheit

  • Yggdrasil ist keine Anonymisierung. Die Overlay-Adresse ist ein stabiler Pseudonym; wer Peering-Verbindungen beobachtet, sieht, wer mit wem verbunden ist. SpiderNet verspricht deshalb nirgends Anonymität (konsistent mit Freenet-Position in Ethos).
  • Exit = Vertrauensstellung: Der Exit-Haushalt sieht die URLs der Segmente, die er für Nachbarn holt. Standard-Kontingente, jederzeit widerruflich (Kill-Switch, siehe Architektur).
  • Port-Forwarding: Eingehende Peerings über das Internet (z. B. wenn zwei Häuser nicht direkt verbunden sind und den Weg übers normale Internet nehmen) brauchen ein Forward des Listen-Ports; innerhalb der Faser/Multicast nicht nötig.
  • Wenn die Faser später schneller als Yggdrasil wird: Messwerte sammeln; ggf. pro Link WireGuard-Punkt-zu-Punkt direkt nutzen und Yggdrasil nur als Control-Plane — Architektur-Schicht 1 ist bewusst austauschbar gehalten.

Quellen