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Splitting-Fähigkeit — was lässt sich über mehrere Exits verteilen?
Die zentrale Frage: Welche Traffic-Arten können die gepoolte Bandbreite der Nachbarschaft nutzen, und was braucht die Quelle (Server) dafür?
Die drei Kategorien
1. Range-basiert splittbar (echtes Splitting)
Standard-HTTP, kein Spezialformat: Der Server muss nur HTTP Range Requests
unterstützen (RFC 9110 §14, früher
RFC 7233) — Anfrage mit Range: bytes=0-999999-Header, Antwort 206 Partial Content. Praktisch alle großen Datei-Server können das; man prüft es mit
einer Kopf-Anfrage: Accept-Ranges: bytes in der Antwort.
| Läuft gut | Begründung |
|---|---|
| ISO-Images, große Dateien (Linux-Distros, Archive) | klassischer Range-Fall, CDNs/S3/nginx/Apache unterstützen es |
| Steam / Konsolen-Updates / OS-Updates | laden selbst mehrschichtig parallel, Ranges sind Teil des Designs |
| Video-on-Demand (HLS/DASH-Streaming) | ohnehin in 2–10-s-Segmente zerlegt; Segmente sind einzelne HTTP-Objekte → Verteilung auf Exits gratis |
| Torrents | sind inhärent multi-connection; Verteilung über Exits ist einfach Flow-Verteilung |
Wichtig bei HTTPS: Range-Splitting funktioniert trotzdem — jeder Exit baut seine eigene TLS-Verbindung zum Server auf und sieht nur verschlüsselte Bytes. Der Server sieht dann N Verbindungen von N verschiedenen IPs (siehe Vorbehalte unten).
2. Verbindungs-basiert verteilbar (Aggregation ohne Splitting)
Hier wird kein einzelner Strom gesplittet — sondern viele selbstständige Verbindungen werden auf die Exits verteilt (Flow-Level- Balancing). Jede einzelne Verbindung läuft vollständig über einen Exit.
| Läuft gut | Begründung |
|---|---|
| Normales Web-Browsing | der Browser baut ohnehin viele parallele Verbindungen zu vielen Hosts auf — die verteilen sich natürlich auf Exits |
| Paketmanager (apt, pip, cargo, npm) | hunderte kleine Dateien = hunderte Verbindungen |
| API-Traffic, RSS, DNS | viele kleine unabhängige Anfragen |
Der Pooling-Gewinn entsteht nur bei paralleler Last (viele Verbindungen gleichzeitig). Ein einzelnes HTTP-Objekt ohne Range-Support bleibt auf Uplink-Geschwindigkeit.
3. Nicht splittbar — sticky single Exit (bzw. Direct-Modus)
Einzelne, latenzempfindliche Ströme, bei denen ein Mid-Stream-Exit-Wechsel die Verbindung kaputt machen würde (IP-Wechsel beendet die Session):
| Kategorie | Warum nicht splittbar |
|---|---|
| Video-Calls (WebRTC) | einzelner DTLS/SRTP-UDP-Strom, echtzeitkritisch, IP-gebunden |
| Online-Gaming | einzelner UDP-Flow, IP-Stickiness wichtig, Latenz >> Bandbreite |
| SSH / Remote-Desktop | interaktive TCP-Session, IP-Stickiness |
| Banking/Logins | Session an IP gekoppelt; aber: funktioniert technisch über jeden Exit, nur nicht wechselnd mitten in der Session |
| VPNs (WireGuard etc.) | UDP-Flow mit State |
Policy-Vorschlag (Default): realzeitkritischer Traffic geht in den Direct-Modus — ohne Umweg, normal über den eigenen Router/Uplink, als wäre SpiderNet nicht da. Optional "best single exit" (wenn die eigene Leitung gestört/überlastet ist, kann man den Call bewusst über einen Nachbarschafts-Exit pinnen — aber dann sticky für die Dauer der Session).
Was die Quelle mitbringen muss (Zusammenfassung)
| Anforderung | Betrifft | Fehlt sie… |
|---|---|---|
Accept-Ranges: bytes + 206 Partial Content |
Kategorie 1 | …fällt das Objekt auf Kategorie 2/3 zurück (Download über einen Exit komplett) |
| viele unabhängige Verbindungen möglich | Kategorie 2 | nothing — das ist der Normalfall |
| Session-Stabilität (IP-Stickiness) | Kategorie 3 | …darf der Exit nicht wechseln; Direct-Modus ist der sichere Default |
Vorbehalte bei Range-Splitting (ehrliche Liste)
- Per-Connection-Limits: manche Server/CDNs drosseln pro Verbindung (z. B. 5 MB/s) — dann braucht man genug Segmente, um den Pool auszureizen.
- Bot-Erkennung/IP-Diversity: N Verbindungen von N verschiedenen IPs für dasselbe Objekt kann Rate-Limits oder Captchas triggern. Gegenmaßnahme: gleiche Exits pro Ziel-Host cachen (Affinität), Retry mit anderem Exit.
- Signierte URLs: meist unkritisch (Ranges innerhalb der Gültigkeit erlaubt), aber Auth-Cookies müssen pro Exit-Verbindung mitgeliefert werden — bei geteilten Logins vorsichtig.
Accept-Ranges: none: Server kann Ranges explizit verweigern → Fallback (ein Exit), nur bei großem Objekt schade.- MPTCP ist kein Plan A: Multipath TCP könnte einen einzigen Stream über mehrere Wege schicken, aber beide Endpunkte müssen es unterstützen — im offenen Internet praktisch nicht gegeben. Deshalb: Segmentierung auf Anwendungsebene, nicht Paketebene.
Konsequenz für die Software (sn-fetch)
- Range-Fähigkeit pro URL/Host automatisch erkennen (Kopf-Anfrage auf
Accept-Ranges) und pro Host cachen. - Klassifizierung: Kategorie 1/2/3, je nach Art (auto: bekanntes Schema, Konfig: Nutzer-Overrides, z. B. "WebRTC immer Direct").
- Fallback-Kette: Ranges → Flow-Verteilung → single Exit (Direct-Modus).
- Exit-Affinität pro Ziel-Host, um Bot-Erkennung zu vermeiden.
Siehe auch: Architektur (Schicht 2), Idee (Realitätscheck).